Lesung und freies Gerede
Martin Hiller schreibt sich in seinen ausschweifenden Texten durch schier alle Winkel eines Lebens als sich durchwurschtelnder Künstler zwischen Brotjobmühlen, Klangkunst und Elternsein. Aus einem autobiographischen Kern entwickelt er, prosaisch dicht und verwoben, durch popkulturelle Referenzen driftend, eine gedämpft melancholische und doch rege lebendige Sprache, die von den kleinen Dingen des Alltags, dem groben Ganzen und der Suche nach dem kleinen bisschen Scheissglück erzählt. Nach dem Verlust eines Sohnes hat er in über 700 Seiten einen autobiografischen, radikal-zärtlichen Bewältigungsroman in Tagebuchform geschrieben, der die Trauer greifbar und die auch nach dem Tod nicht endende Liebe spürbar macht. In einer Lesung und in freiem Gerede gibt der Autor Einblicke in sein jetziges und früheres Schreiben, in dem von jungen Exzessjahren ebenso die Rede ist, wie vom neuen Glück der Elternseins in der Mitte des Lebens in Mecklenburg-Vorpommern. In der Lesung geht es auch um das Thema Tod und Kindsverlust. In einfühlsamer Weise gelingt es dem Autor, trotz der Drastik des Themas, auch – und vor allem – von den herzerwärmenden Momenten und dem Wert des Gebliebenseins im Leben zu erzählen.